Nur den Menschen,
die du geliebt hast,
bist du wirklich begegnet
in dieser Welt.

Die anderen haben
deinen Weg nur gekreuzt.




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Auf der Suche nach dem Scheideweg

Es muss sich etwas ändern in meinem Leben. Irgendetwas. So kann es doch nicht weitergehen.

Fynn war beinahe drei Wochen verreist. Ehrlich gesagt war ich ziemlich neidisch auf ihn. Dass er diese unglaublichen Erfahrungen machen konnte. Dass er so frei ist von Verantwortung und einfach gehen kann, wenn er es möchte. Ich habe ernsthaft über Trennung und Auszug nachgedacht.
Mein Leben lang habe ich Verantwortung getragen. Seit ich denken kann, hat meine Familie Haustiere. Nie konnten wir einfach in den Urlaub fahren oder über ein langes Wochenende. Immer musste erst geklärt werden, wer sich um das anvertraute Leben kümmert. Dann habe ich mir zusätzlich noch einen Job ausgesucht, in dem ich ebenfalls stets Verantwortung trage für anderes Leben. So sehr, dass ich kaum einen Tag fehlen kann, ohne mir Sorgen zu machen über den Schaden, der dadurch entsteht. Wo immer ich bin, privat oder auf der Arbeit, immer muss ich mir Gedanken um anderes Leben machen.
Fynn dagegen hatte das nie. Seine Familie hatte irgendwann mal eine Katze. Doch die lief immer draußen rum und kam nur ab und zu zum Fressen. Sie kümmerte sich selbst um sich. Sonst war da nichts. Keine Verantwortung. In seinem Job geht es um Geld. Wenn er seinen Zeitplan nicht einhält, kostet es die Firma Geld. Doch die Firma, nicht ihn. In der Branche gibt es kaum einen Auftrag, der die Zeit halten kann. Niemand bricht ich Begeisterung aus, doch es kümmert auch keinen groß. Es gibt nichts, das er ernsthaft mit nach Hause nimmt.
Fynn träumt von Verantwortung und Stabilität. Von einem Haus, einem Kind. Einem Sinn. Ich dagegen kann darüber gerade einfach nicht von Herzen nachdenken: Ich möchte erst einmal wissen wie sich Freiheit anfühlt, bevor ich mich für den Rest meines Lebens an soviel Verantwortung binde.

Fynn sucht im Internet nach Häusern. Mittlerweile auch in einem Radius, der für seine jetzigen Job nicht langfristig geeignet ist. Er würde sich dann einen neuen suchen. Er hat allerdings auch Ansprüche an seinen Job, die er nicht alle in einer einzigen Stelle wird erfüllen können. Das fürchte ich zumindest. Als ich das aussprach sagte er: "wie schön für dich, dass wenigstens du den optimalen Job gefunden hast". Aber ist es das? Ist es das wirklich? Eigentlich nicht.
Der optimale Job wäre für mich in einer großen Klinik. Wir hätten viele Patienten, ich könnte viele Operationen sehen und betreuen, viele Anästhesien leiten und mich weiter spezialisieren. Gerne die Leitung über das OP-Team haben und koordinieren, unterrichten, lenken. MIt meinen Kollegen befreundet sein. Ja, auch Verantwortung tragen. In diesem Berufsfeld geht es nicht anders und ich habe auch kein Problem damit. Ich möchte Entscheidungsgewalt haben und Verantwortung und Konsequenzen tragen.
Wie läuft mein Job gerade tatsächlich? Eine spezialisierte Praxis mit den immer gleichen Operationen. Anästhesien, die ich nicht mehr selber leiten soll. Keine Möglichkeit, meine Spezialisierung in diesem Bereich weiter auszubauen. Wissen erwerben darf ich wohl, umsetzen werde ich es in den nächsten Jahren nicht. Ein Team, dessen Führung ich übernommen habe. Die sich leider alle als wenig motiviert und wenig lernfähig erwiesen haben, deren Einstellung ich nicht nachempfinden kann, für die Anästhesien durchzuführen ein Ungemach ist, der Job von der Uhr bestimmt wird, und die auszubilden mir wirklich schwer fällt. Zunehmend bin ich fern vom Tier und sitze im Büro. Schreibe Dienstpläne und Statistiken, vergleiche Preise, fertige Standards an und wickle nervigen Papierkram ab. Es ist okay. Ich mag auch Arbeit am Computer, ich bin gut darin. Es erfüllt mich nicht, es ist keine Berufung. Aber es sind Aufgaben, die erledigt werden müssen und die außer mir derzeit keiner übernehmen kann. Darüber hinaus ist es ein Job mit Zukunft. Ich werde mehr Geld verdienen, ich kann es auch im Alter machen. Wenn ich mal schwanger sein sollte, müsste ich nicht sofort ins Beschäftigungsverbot. Aber es ist nichts, wovon man zuhause stolz erzählt. Es fühlt sich nicht nach Leistung an.
Vielleicht ist das mein Problem. Mein Arbeitstag geht in der Regel von acht bis achtzehn Uhr. Achtzehn Uhr bezeichne ich als "pünktlichen Feierabend". Meistens mache ich keine Pause. Oft genug geht es auch bis zwanzig oder zweiundzwanzig Uhr. Der Tag ist so lang, so viele Stunden verbringe ich auf der Arbeit. Doch was leiste ich dort? Wenn ich abends heim komme, gibt es nur wenig, über das ich stolz erzählen kann. Meistens ärgere ich mich über das Unvermögen meiner Arbeitskollegen, das mich die zusätzliche Stunde gekostet hat. Büroarbeit ist einfach keine Leistung, auf die ich stolz sein kann.
Mein Chef ist toll, wir verstehen uns großartig. Auch wenn es nicht oft genug ist, so sagt er doch, dass es sein Alptraum ist, dass ich aussteige oder kündige, dass er nicht weiß, wie er dann weiter machen sollte. Die Kollegin, die einmal die Woche da ist, ist super. Die Assistenztierärztin, die angefangen hat, ist super, und endlich jemand, mit dem ich mich auf einer Ebene unterhalten kann. Doch die Tierärztin wird nächstes Jahr wieder gehen, wir sind nur eine Zwischenstation. Und auch wenn mein Chef und ich sowas ähnliches wie befreundet sind oder waren, so ist er mein Chef. Mittlerweile telefonieren wir auch kaum noch privat. Also ist es zurzeit ein Job, den ich gut kann. Und den ich nicht zu letzt seinetwegen mache.
Das Problem ist, dass ich woanders auch nicht glücklich würde. Einen Job wie ich ihn bräuchte, fände ich vielleicht an den Unikliniken. Doch da war ich schon, es ist dort auch nicht das Wahre. Den perfekten Job gibt es eben einfach nicht. Man muss Kompromisse machen.
Gerade suche ich also nach dem einen Kompromiss, den ich eingehen kann. Was kann ich guten Gewissens ändern in meinem Job, um wieder etwas zufrieden zu sein. Die Tage sind zu lang und doch bleibt immer Arbeit liegen. Die anderen müssten mehr lernen, dass ich etwas abgeben kann. Doch an wen? Prioritäten muss ich setzen und Arbeit liegen lassen. Und vielleicht nicht ganz so lang auf der Arbeit bleiben. Doch wofür? Wofür weniger arbeiten? Was anfangen mit der Freizeit? Die Arbeit macht wenigstens Sinn auf ihre Art.

Vor zwei Monaten musste ich meinen Kater einschläfern. Er hatte eine Nierenerkrankung, die nicht mehr zu heilen war. Mein zweiter Kater hat jetzt einen bösartigen Tumor in der Nase diagnostiziert bekommen. Auch er hat zudem organische Probleme, die ich allerdings im Griff habe. Es ist ein Spiel auf Zeit. Ich weiß nicht, was ich mir wünschen soll. Schnell oder langsam. Nur, dass ich jetzt noch weniger fortfahren kann. Selbst bei einer Nacht fühle ich mich jetzt schlecht, weil er seine Medikamente nicht bekommt. Der Druck ist noch größer geworden.

Tja und meine Beziehung? Die gemeinsame Woche Urlaub war toll. Ich habe wirklich geglaubt, dass wir es schaffen können. Gerade... stecken wir wieder fest im Alltag.

Ich will raus. Einfach mal ein paar Tage raus ans Meer. Aber es wird dauern, bis die Verantwortung es zulässt.
19.8.17 21:42


Leere. Immer wieder diese Leere.
15.7.17 22:31


Was soll ich sagen? Wenn ich so lange schweige, dann heißt es in der Regel immer das gleiche, wenn ich mich dnan plötzlich wieder melde. Ich bin am Boden und so zielich am Ende meiner Kräfte. Theoretisch habe ich jetzt anderthalb, knapp zwei Wochen Urlaub. Praktisch wird es dennoch keine Erholung sein.
Zurzeit fühlt es sich so an, als würde jeder etwas von mir wollen. Als würden die Menschen um mich herum nur nehmen, nehmen, nehmen und mich aussaugen.
Mein Chef tut es schon so lange, dass es beinahe Gewohnheit ist. Aber er bedankt sich dafür und sagt, dass er den Laden ohne mich nicht am Laufen halten könnte. Worte. Wuhuu, vielen Dank. Bringt man heutzutage aber so bei, dass ein "Danke" zwischendurch die größte Wertschätzung ist.
Mein Freund macht es mittlerweile eigentlich ganz gut, aber ich weiß um die Bedürfnisse, die ich gerade einfach nicht erfüllen kann.
Im Schnitt arbeite ich jede Woche 55 Stunden plus Wochenende. In dieser Woche habe ich eigentlich Freiausgleich. Oder Homeoffice. Oder bin anwesender Supervisor. Wie man es nimmt, ich habe auf jeden Fall jeden Tag gearbeitet. Alle fragen mich, wie ich das schaffe. Alle sagen, ich soll mal eine Pause machen. Gleichzeitig kommt dann eine der Kolleginnen an und bittet mich, ihr doch in meinem Urlaub ein sehr komplexes Thema bei einem Kaffee beizubringen. Allein dass sie denkt, sie könnte es gemütlich bei Kaffee und Kuchen lernen, zeigt mir, dass sie es überhaupt nicht begriffen hat. Von der Unverfrorenheit der Frage nach meiner Freizeitopferung - nicht ihrer, meiner - mal abgesehen. Als ich ihr anbot, dass ich in zwei Wochen käme, um über genau dieses Thema dann einen Vortrag für alle zu halten, war sie entrüstet, das sei ihr zu spät.
Eine andere Kollegin möchte eigentlich Management sein und ist immer mega empört, dass sie niemand Management sein lässt. Fragt mich aber bei jeder zweiten Entscheidung um meinen Segen, damit sie nicht die ist, die einen drüber bekommt, wenns falsch ist. So läuft Management. Nicht.
Meine Mutter hat letzte Woche ihre Katze eingeschläfert. Mein Bedauern wurde abgetan, bereits im Vorfeld wann immer wir darüber sprachen. Sie war ja schließlich schon alt. Dann schickte sie mir noch ein Foto der toten Katze im Grab. Darauf reagierte ich nicht mehr. Meine Mutter war sehr enttäuscht. Gestern steckte sie ihre Hand in einen laufenden Rasenmäher. Zum Glück ist nur ein Finger gebrochen. Ich soll nicht zu ihr fahren, heute käme ja der Handwerker. Aber wenn ich nicht fahre, wird sie enttäuscht sein.
Zu guter Letzt, da diesen Monat eine Abbuchung erfolgte, die erst für nächsten Monat kalkuliert war, bin ich so gnadenlos pleite wie tatsächlich seit Jahren nicht mehr. Meine Barschaft beläuft sich auf 150€, auf dem Konto sind noch 50, dann ist das Dispo ausgereizt. 270 kostet mich das Pferd diesen Monat noch, nächste Woche muss mein Auto in die Werkstatt - weswegen ich eigentlich dann erst wieder nach Hause fahren wollte, aber es hilft ja jetzt nichts - die Rechnung für das Medikament meiner Katze von 90€ liegt vor mir, ich muss mindestens einmal tanken, Lebensmittel kaufen Sieht schlecht für mich aus. Es lebe die Kreditkarte. Die versprochene Gehaltserhöhung hat mein Chef anscheinend vergessen. (Liegt vielleicht an der neuen Freundin)
14.7.17 11:40


Ich mag ihn. So einfach ist das. Nicht mehr. Aber auch nicht weniger.

Der Alltag läuft wie er läuft. Beruflich geht es eigentlich aufwärts. Doch noch immer bin ich nicht sicher, ob es wirklich der richtige Weg für mich ist. Es fügt sich grade alles so einfach, so nahtlos, so ohne mein Zutun ineinander, dass ich denken möchte, es solle so sein. Ernsthafte Gedanken möchte ich mir dagegen eigentlich lieber nicht machen.
4.6.17 00:20


Es wird der Tag kommen, an dem ich auf die letzten Beiträge wieder peinlich berührt zurückschauen werde. So wie ich es heute auf die nun vergangenen tue. Es ist nicht rational, es erinnert mich zu sehr an altbekannte Muster. Aber vielleicht brauche ich das ja auch. Eine alte Illusion, die Halt gibt, wenn man einen braucht. Es macht keinen Sinn, dass es gesund ist, hat auch niemand gesagt. Dennoch kommt sie, sobald man ihrer Bedarf. Mit etwas Glück geht sie genauso schnell.
Zurzeit ist alles gut. Mit Fynn läuft es besser. Manche Dinge werden sich einfach nicht ändern. Es wird Zeit, dies zu akzeptieren.
5.5.17 21:13


Eine gemeinsame Freundin hat die Dinge vielleicht etwas gerade gerückt für mich. In dem Gespräch ging es um etwas anderes. Doch was sie sagte war, dass er jetzt aufpassen sollte, sich keinen Lückenbüßer zu suchen. Wenn seine Frau geht, hinterlässt sie unweigerlich ein großes Loch. Er solle bloß nicht den Fehler machen, es mit jemand beliebigem füllen zu wollen. Und genau das wird er versuchen.

Vielleicht dreht mein Kopf jetzt total durch. Aber da ich Körperkontakt schon immer größtmöglich gemieden habe, und mir demnach dessen immer recht bewusst war, wenn es passierte, glaube ich doch, mich nicht zu täuschen. Diese Woche ist es mehr. Letzten Freitag gab es diese so seltsamen vielleicht oder vielleicht auch nicht bedeutenden Momente. Vielleicht hat er doch einige intelligente Schlussfolgerungen mehr gezogen als erwartet, auch wenn ich es nicht ernsthaft denken mag. Es ist wie immer beiläufig. Ein Stoßen von der Seite, ein Fassen an die Schulter, ein Klopfen darauf, absolut vermeidbare Berührung beim Rüberreichen eines Stiftes. Jedes für sich bedeutungslos, doch auffallend in ihrer Summe. Auffallend. Und Besorgnis erregend.
Dieses Gefühl von Zwang ist nicht mehr ganz so stark.
3.5.17 19:08


Einige Stunden lang habe ich jetzt diesen Blog zurück verfolgt bis 2013. Nicht jeden Beitrag habe ich zur Gänze gelesen. Viele waren mir peinlich. Doch vor allem scheint mir auffällig die Melodie der Beiträge. Seit meiner Beziehung mit Fynn wurde es nur noch sachlich und tot. Wenn ich mein Leben vergleiche vor Fynn und mit Fynn... dann weiß ich gerade nicht, in welchem ich mehr geliebt habe. Welches mir mehr Wert sein soll. Tatsächlich scheinen mir die letzten Jahre ziemlich leer gewesen zu sein. Es scheint mir gerade immer unmöglicher, zusammen mit ihm in die Zukunft zu schauen.
1.5.17 15:34


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