Nur den Menschen,
die du geliebt hast,
bist du wirklich begegnet
in dieser Welt.

Die anderen haben
deinen Weg nur gekreuzt.




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Zwei Tage war jemand fremdes auf der Arbeit. Jemand, den ich unerwartet mochte direkt. Es war ein interessantes Gefühl und interessante zwei Tage.

Fynn und ich vertiefen jetzt unsere Suche nach einem Baugrundstück. Es ist gut.
3.11.17 21:19


Fynn ist nicht das Problem, sondern ich. Ich und meine Einstellung zu meiner Arbeit. Irgendwann bin ich entgleist vom normalen Weg und habe eine Verantwortung auf mich geladen, die nicht die meine ist. Sie wieder abzugeben, fällt mir mehr als schwer und ob ich es gänzlich schaffe, weiß ich noch nicht. Es ist wie eine Sucht, die mein Leben bestimmt. Es ist eine Last, die derzeit alles bestimmend auf mir lastet. Ich versuche in gewohnter Manier, sie mit Fast Food zu unterdrücken. Natürlich hilft es nicht, und macht mich nur noch unglücklicher. Ich sehe es und mache doch weiter. Irgendwann komme ich hoffentlich an den Punkt, an dem ich umkehren kann.
22.10.17 22:33


Fynn wäre nie zurück gekommen, wenn ich nicht gesagt hätte, dass ich irgendwann Kinder haben werde. Er wäre nie zurück gekommen, wenn er nicht gedacht hätte, dass er mit mir schneller an sein Ziel käme, als beginne er mit jemand anderem von vorn.
Diesen Gedanken werde ich nicht los. Im Grunde lebe ich gerade eine Lüge und weiß nur noch nicht, wann ich am besten abspringen kann, ohne dass es einen von uns beiden zu sehr verletzt.
7.10.17 20:32


Ich muss meinem eigenen Gewissen folgen. Nur dem bin ich verpflichtet. Nur mir selbst.
Was ich selbst will, das muss ich noch herausfinden.
2.10.17 23:05


Ich bin nicht unzerbrechlich. Ganz im Gegenteil. Ich bin aus Glas und ständig am Vibrieren. Ich bin eine Saite und stets gespannt. Doch ich darf nicht reißen. Muss der Fels sein in der Brandung, der sich nicht mitreißen lässt oder abtragen. Die Wasser fließen ohne Unterlass, ich versuche alles, mich nicht aushöhlen zu lassen. Ich gebe jeden Tag mein Bestes. Doch ich bin müde. Wirklich müde. Es fehlt mir die Einsamkeit. Das Alleinsein. Die Stunden der Nacht, in denen ich nur für mich zerbrechen darf. Ich möchte mich so sehr dem allen stellen dürfen und mir erlauben, mich forttragen zu lassen. Nur dann kann sich die Saite entspannen.
Ich weiß gerade nicht, wie es weiter gehen soll. Wie ich mein Leben weiter leben soll. Ich wünsche mich so oft fünf Jahre zurück, in diese Zeit als ich noch keinen Plan hatte. Als ich noch frei war und nur für mich selbst verantwortlich. Auch damals war es hart und ich nicht immer glücklich. Doch erkenne ich heute all die Möglichkeiten, die ich damals hatte.
Nun bin ich in Stein gemeißelt und erkenne mich kaum. Weiß ich überhaupt, wer ich bin? Wusste ich es je? Gibt es jemanden dort draußen, der mich erkennt?
1.10.17 01:49


Alle paar Monate kommt ein externer Berater zu meiner Arbeitsstelle, um meinem Chef hilfreich zu sein. In welcher Form genau ist mir bis heute schleierhaft. Bereits in meiner alten Stelle war er hin und wieder.
Am Dienstag hatten wir ein Gespräch, in dem er mir eine wirklich erschütternd zutreffende Analyse meiner Persönlichkeit gab. Es war eine Erkenntnis, die ich zwar immer hätte greifen können, aber doch stets gemieden habe. Es von einer eigentlich fremden Person zu hören, war erschreckend und erstaunlich zugleich. Und so betrübend, dass es sonst wahrscheinlich keiner wahrnimmt.
Eigentlich sollte es keine Überraschung sein. Und im Grund weiß ich es schon lang. Aber ich habe ein Problem damit zu vertrauen. Ich bin nach außen freundlich und in gutem Kontakt. Doch irgendwann kommt der Punkt, an dem die Tür zugeht. Weiter kommt niemand herein. Gewisse Räume werden nicht betreten. Das ist schon seit so langer Zeit so, dass ich nicht auf Anhieb sagen könnte, warum es so ist. Doch es ist so. Und es behindert mich in meinem Leben.
Es hindert mich an meinem beruflichen Aufstieg. Es behindert meine Freundschaften. Es behindert meine Beziehung.
Drei Jahre sind Fynn und ich jetzt zusammen. Er möchte ein Haus bauen, sesshaft werden, Kinder in die Welt setzen. Ich überlege mich zu trennen. Noch vor anderthalb Jahren wäre ich bei seinem Plan dabei gewesen. Vielleicht nicht ganz so extrem, aber da wollten wir doch das gleiche. Nach unserer Beziehungspause waren wir monatelang so glücklich. Ich war mir so sicher. Davon ist fast nichts mehr da. Ich bin mir nicht sicher, ob es wirklich weg ist, oder ob ich jetzt einfach an dem Punkt stehe, an dem ich in dieser Beziehung einen Schritt nach vorne machen müsste. Und es einfach nicht will. Scheue aus Gewohnheit. Weil diese Tür einfach zu ist.
Eigentlich würde ich gerne mal eine Therapie machen. Um zu sehen, ob es etwas ändert. Ob die Müdigkeit und die Erschöpfung, der ständige Rückzug und das Fortstoßen von Menschen, sobald sie mir zu nahe kommen, aufhört. Dann denke ich wieder, mir geht es doch so viel besser als anderen. Was soll das ganze Gejammer?
31.8.17 20:31


Auf der Suche nach dem Scheideweg

Es muss sich etwas ändern in meinem Leben. Irgendetwas. So kann es doch nicht weitergehen.

Fynn war beinahe drei Wochen verreist. Ehrlich gesagt war ich ziemlich neidisch auf ihn. Dass er diese unglaublichen Erfahrungen machen konnte. Dass er so frei ist von Verantwortung und einfach gehen kann, wenn er es möchte. Ich habe ernsthaft über Trennung und Auszug nachgedacht.
Mein Leben lang habe ich Verantwortung getragen. Seit ich denken kann, hat meine Familie Haustiere. Nie konnten wir einfach in den Urlaub fahren oder über ein langes Wochenende. Immer musste erst geklärt werden, wer sich um das anvertraute Leben kümmert. Dann habe ich mir zusätzlich noch einen Job ausgesucht, in dem ich ebenfalls stets Verantwortung trage für anderes Leben. So sehr, dass ich kaum einen Tag fehlen kann, ohne mir Sorgen zu machen über den Schaden, der dadurch entsteht. Wo immer ich bin, privat oder auf der Arbeit, immer muss ich mir Gedanken um anderes Leben machen.
Fynn dagegen hatte das nie. Seine Familie hatte irgendwann mal eine Katze. Doch die lief immer draußen rum und kam nur ab und zu zum Fressen. Sie kümmerte sich selbst um sich. Sonst war da nichts. Keine Verantwortung. In seinem Job geht es um Geld. Wenn er seinen Zeitplan nicht einhält, kostet es die Firma Geld. Doch die Firma, nicht ihn. In der Branche gibt es kaum einen Auftrag, der die Zeit halten kann. Niemand bricht ich Begeisterung aus, doch es kümmert auch keinen groß. Es gibt nichts, das er ernsthaft mit nach Hause nimmt.
Fynn träumt von Verantwortung und Stabilität. Von einem Haus, einem Kind. Einem Sinn. Ich dagegen kann darüber gerade einfach nicht von Herzen nachdenken: Ich möchte erst einmal wissen wie sich Freiheit anfühlt, bevor ich mich für den Rest meines Lebens an soviel Verantwortung binde.

Fynn sucht im Internet nach Häusern. Mittlerweile auch in einem Radius, der für seine jetzigen Job nicht langfristig geeignet ist. Er würde sich dann einen neuen suchen. Er hat allerdings auch Ansprüche an seinen Job, die er nicht alle in einer einzigen Stelle wird erfüllen können. Das fürchte ich zumindest. Als ich das aussprach sagte er: "wie schön für dich, dass wenigstens du den optimalen Job gefunden hast". Aber ist es das? Ist es das wirklich? Eigentlich nicht.
Der optimale Job wäre für mich in einer großen Klinik. Wir hätten viele Patienten, ich könnte viele Operationen sehen und betreuen, viele Anästhesien leiten und mich weiter spezialisieren. Gerne die Leitung über das OP-Team haben und koordinieren, unterrichten, lenken. MIt meinen Kollegen befreundet sein. Ja, auch Verantwortung tragen. In diesem Berufsfeld geht es nicht anders und ich habe auch kein Problem damit. Ich möchte Entscheidungsgewalt haben und Verantwortung und Konsequenzen tragen.
Wie läuft mein Job gerade tatsächlich? Eine spezialisierte Praxis mit den immer gleichen Operationen. Anästhesien, die ich nicht mehr selber leiten soll. Keine Möglichkeit, meine Spezialisierung in diesem Bereich weiter auszubauen. Wissen erwerben darf ich wohl, umsetzen werde ich es in den nächsten Jahren nicht. Ein Team, dessen Führung ich übernommen habe. Die sich leider alle als wenig motiviert und wenig lernfähig erwiesen haben, deren Einstellung ich nicht nachempfinden kann, für die Anästhesien durchzuführen ein Ungemach ist, der Job von der Uhr bestimmt wird, und die auszubilden mir wirklich schwer fällt. Zunehmend bin ich fern vom Tier und sitze im Büro. Schreibe Dienstpläne und Statistiken, vergleiche Preise, fertige Standards an und wickle nervigen Papierkram ab. Es ist okay. Ich mag auch Arbeit am Computer, ich bin gut darin. Es erfüllt mich nicht, es ist keine Berufung. Aber es sind Aufgaben, die erledigt werden müssen und die außer mir derzeit keiner übernehmen kann. Darüber hinaus ist es ein Job mit Zukunft. Ich werde mehr Geld verdienen, ich kann es auch im Alter machen. Wenn ich mal schwanger sein sollte, müsste ich nicht sofort ins Beschäftigungsverbot. Aber es ist nichts, wovon man zuhause stolz erzählt. Es fühlt sich nicht nach Leistung an.
Vielleicht ist das mein Problem. Mein Arbeitstag geht in der Regel von acht bis achtzehn Uhr. Achtzehn Uhr bezeichne ich als "pünktlichen Feierabend". Meistens mache ich keine Pause. Oft genug geht es auch bis zwanzig oder zweiundzwanzig Uhr. Der Tag ist so lang, so viele Stunden verbringe ich auf der Arbeit. Doch was leiste ich dort? Wenn ich abends heim komme, gibt es nur wenig, über das ich stolz erzählen kann. Meistens ärgere ich mich über das Unvermögen meiner Arbeitskollegen, das mich die zusätzliche Stunde gekostet hat. Büroarbeit ist einfach keine Leistung, auf die ich stolz sein kann.
Mein Chef ist toll, wir verstehen uns großartig. Auch wenn es nicht oft genug ist, so sagt er doch, dass es sein Alptraum ist, dass ich aussteige oder kündige, dass er nicht weiß, wie er dann weiter machen sollte. Die Kollegin, die einmal die Woche da ist, ist super. Die Assistenztierärztin, die angefangen hat, ist super, und endlich jemand, mit dem ich mich auf einer Ebene unterhalten kann. Doch die Tierärztin wird nächstes Jahr wieder gehen, wir sind nur eine Zwischenstation. Und auch wenn mein Chef und ich sowas ähnliches wie befreundet sind oder waren, so ist er mein Chef. Mittlerweile telefonieren wir auch kaum noch privat. Also ist es zurzeit ein Job, den ich gut kann. Und den ich nicht zu letzt seinetwegen mache.
Das Problem ist, dass ich woanders auch nicht glücklich würde. Einen Job wie ich ihn bräuchte, fände ich vielleicht an den Unikliniken. Doch da war ich schon, es ist dort auch nicht das Wahre. Den perfekten Job gibt es eben einfach nicht. Man muss Kompromisse machen.
Gerade suche ich also nach dem einen Kompromiss, den ich eingehen kann. Was kann ich guten Gewissens ändern in meinem Job, um wieder etwas zufrieden zu sein. Die Tage sind zu lang und doch bleibt immer Arbeit liegen. Die anderen müssten mehr lernen, dass ich etwas abgeben kann. Doch an wen? Prioritäten muss ich setzen und Arbeit liegen lassen. Und vielleicht nicht ganz so lang auf der Arbeit bleiben. Doch wofür? Wofür weniger arbeiten? Was anfangen mit der Freizeit? Die Arbeit macht wenigstens Sinn auf ihre Art.

Vor zwei Monaten musste ich meinen Kater einschläfern. Er hatte eine Nierenerkrankung, die nicht mehr zu heilen war. Mein zweiter Kater hat jetzt einen bösartigen Tumor in der Nase diagnostiziert bekommen. Auch er hat zudem organische Probleme, die ich allerdings im Griff habe. Es ist ein Spiel auf Zeit. Ich weiß nicht, was ich mir wünschen soll. Schnell oder langsam. Nur, dass ich jetzt noch weniger fortfahren kann. Selbst bei einer Nacht fühle ich mich jetzt schlecht, weil er seine Medikamente nicht bekommt. Der Druck ist noch größer geworden.

Tja und meine Beziehung? Die gemeinsame Woche Urlaub war toll. Ich habe wirklich geglaubt, dass wir es schaffen können. Gerade... stecken wir wieder fest im Alltag.

Ich will raus. Einfach mal ein paar Tage raus ans Meer. Aber es wird dauern, bis die Verantwortung es zulässt.
19.8.17 21:42


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