Nur den Menschen,
die du geliebt hast,
bist du wirklich begegnet
in dieser Welt.

Die anderen haben
deinen Weg nur gekreuzt.

by Hans Kruppa




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Noel und ich sind seit einigen Monaten offiziell "zusammen". Seit einigen Wochen leben wir zusammen. Seit einigen Tagen ist unser Kind auf der Welt.
Verrückt, wie das Leben manchmal so spielt.
Aber ich bin glücklich. Das ist vermutlich das Unglaublichste daran.
6.6.21 08:07


Bin ich gerade glücklich? Wohl eher nicht. Dabei sollte es eine glückliche Zeit sein. Oder könnte. Oder nicht? Die äußeren Umstände sind wie sie nunmal sind. Sie würden wohl in jeder Realität unser Glück verhindern. Dennoch müssen wir zusammen eine Entscheidung treffen, wie es weiter gehen soll.
Nächste Woche kommt er zu mir. Ich habe keine Ahnung, was mich erwartet. Ich habe keine Erwartung. Ich weiß nicht, wo unsere Reise hingeht. Gerade ist wieder absolut jeder Weg offen. Es macht mich traurig und froh zugleich. Denn wenn jeder Weg möglich ist, dann auch jeder gute, nicht wahr?
24.10.20 21:37


Mein Leben könnte gerade nicht verrückter sein. Wichtige Entscheidungen müssen getroffen werden, doch wann? Wann? Gerade fühlt es sich wieder so an, als würde ich in einem Gott verdammten Hamsterrad feststecken. Die Zukunft, die ich für mich gesehen habe, scheint nicht erreichbar zu sein. Nicht ohne Abstriche. Und vielleicht sogar nur mit einer gewaltigen Planänderung. Ich weiß es nicht. Ich bin müde. Wirklich müde. Heute wurde ich wegen Symptomen Corona getestet. Ich sehe die Gefahr nicht wirklich hoch, aber ich bin über den Krankenschein tatsächlich froh. Ob ich eine weitere Woche geschafft hätte, weiß ich wirklich nicht.
Es ist erst eine Woche her, dass Noel und ich uns gesehen haben. Erst eine Woche. Es fühlt sich viel länger an. Ist es der aktuellen Situation geschuldet? Eigentlich war ich überzeugt, dass wir eine Fernbeziehung führen können. Wenn wir denn jemals an diesen Punkt kommen. Aber gerade ist es schwer. Ich will nicht sagen, dass ich ihn gerade brauche. Denn brauchen will ich ihn nicht. Brauchen sollte man seinen Partner nicht. Aber es ist gerade so eine seltsame Zeit, dass ich ihn so oft um mich haben will, wie ich kann. Es wird leichter werden, wenn wir die ersten Hindernisse überwunden haben. In dieser Sache zumindest bin ich mir sicher. Es gibt einen Grund für alles. Und so hart es auch wird, ich will mit ihm zusammen sein. Ich will, dass er in meinem Leben bleibt.
19.10.20 22:47


Warum habe ich mich nie mit eigenen Kindern gesehen? Das hat mich heute das erste mal jemand gefragt. Ich konnte es nicht beantworten. Alles, was ich auf die Schnelle weiß, ist, dass mir direkt Tränen in die Augen schießen. Es muss irgendein altes Kindheitstrauma sein.
Habe ich Angst, dass ich ein Kind nicht so lieben könnte, wie es geliebt werden muss? Vielleicht. Es ist doch seit so vielen Jahren eine Sperre vor meinen tiefen Gefühlen. Wer weiß, ob ich wirklich jemals wieder dran komme?
Habe ich Angst, dass ein Kind diese Sperre runter reißen könnte und ich es dann mit allem, was ich habe, lieben würde? Vielleicht. Ich lebe so viele Jahre schon mit dieser inneren Mauer, dass ich nicht weiß, was sich alles hinter ihr verbirgt.
Habe ich Angst, die Kontrolle zu verlieren? Gewiss. Emotional, wenn ich es wirklich lieben würde wie eine Mutter es wohl tut. Aber auch physisch über mich, meinen Körper, mein Leben. So vieles wäre plötzlich fern meiner Kontrolle. Der ganze Plan für mein Leben wäre über den Haufen geworfen.
Habe ich Angst vor der Verantwortung? Gewiss. Es gibt keine größere Verantwortung als diese. Für den Rest meines Lebens. Zu viele Fehler sehe ich dort draußen. Zu viel schief gegangen ist an mir, als dass ich mich davor nicht fürchten würde.
Habe ich Angst, meine Freiheit zu verlieren? Vielleicht. Vielleicht auch das. Für den Rest meines Lebens gebunden sein an ein anderes Wesen ist eine Angst einflößende Vorstellung. Aber mehr noch der Gedanke, ich bekäme sie irgendwann zurück, obwohl ich es nicht wollte.
Habe ich Angst zu lieben ohne Mauern und dann passierte etwas? Auf jeden Fall. Es gibt wohl nichts schreckliches als das. Und die Welt ist so schlecht geworden.
Habe ich Angst, neues Leben in diese Welt zu setzen so wie sie gerade ist? Auch das. Es geht bergab mit der Welt. Kann ich es einem Leben antun in ihr groß zu werden?
Vermutlich ist es vor allem der Kontrollverlust. Und die Angst zu lieben. Oder nicht zu lieben. Doch eigentlich ist der Grund auch ganz egal. Die Frage, die zählt, lautet doch: habe ich den Mut der Angst zu trotzen?
12.10.20 19:37


Mein Patient hat die Operation tatsächlich überlebt (danke für's Daumendrücken). Zwei Tage ist es her. Sollte er nun versterben, gilt es nicht mehr als perianästhetischer Tod. Es hätte keine Verbindung mehr zu meiner Anästhesie. Er ist noch nicht ganz über den Berg, aber es geht stetig aufwärts mit ihm. Mit etwas Glück weiß ich morgen, ob er es wohl wirklich schaffen wird. In den letzten zwei Tagen sind etliche Kollegen zu mir gekommen und haben mich beglückwünscht. Niemand hat damit gerechnet, dass er die Narkose geschweige denn die Operation überlebt. Aber er hat es überlebt. Ich habe ihn durch die Narkose gebracht. Ich habe ihn durch die schmerzhafte erste Zeit nach der Operation gebracht. Tatsächlich bin ich ein wenig stolz. Mehr als froh, dass der Patient noch lebt. Aber auch etwas stolz auf mich. Es war nichtzuletzt mein Tun, dass ihm eine Chance gegeben hat.
Dafür habe ich heute versagt. Moralisch versagt. Es kam ein Hund für eine Notoperation. Er hatte einen katastrophalen Befund. Er hatte eine denkbar schlechte Ausgangslage. Mit so schlechten Blutwerten habe ich schon lange nicht mehr gearbeitet. Ich bin im Rufdienst. Es geht mir nicht gut wegen meiner verdammten privaten Probleme. Der Patient ist alt. Selbst wenn wir operieren würden, hätte er vermutlich noch nicht einmal mehr ein halbes Jahr. Ich habe mir tatsächlich gewünscht, dass der Besitzer sich gegen die Operation entscheidet. Es wäre für den Hund eine absolut vertretbare Entscheidung gewesen. Doch er wollte alles versuchen. Also haben wir es versucht. Und auch diesen Patienten habe ich durch die Narkose gebracht. Er bleibt weiterhin mehr als kritisch, aber wenn er morgen früh noch am Leben ist, dann bin ich mir fast sicher, dass er es schaffen wird. Er hat Lebenswillen. Doch ich war bereit, ihn aufzugeben. Ich habe versagt.

Das Studium erweist sich tatsächlich als sehr große Herausforderung. Vornehmlich, da es so ein immenser Zeitfresser ist. Schon jetzt bin ich mit dem Lesestoff hinterher. Heute wollte ich es aufholen, doch ich war acht Stunden auf der Arbeit. Vermutlich werde ich heute wieder nichts schaffen. Momentan überlege ich ernsthaft, ob ich für die kommenden zwei Monate meine Stunden um 10% reduzieren sollte. Das Personalmanagement ist in der nächsten Woche im Urlaub. Danach werde ich es besprechen. Ich war ja schon im letzten Jahr an diesem Punkt. Und ja, es fühlt sich wie Schwäche an. Aber es ist gerade noch diese Situation mit Noel dazu gekommen. Und finanziell bin ich endlich erstmalig an einem Punkt, an dem ich es mir leisten könnte. Vielleicht werde ich das wirklich tun. Bis sich alles endlich geregelt hat.

Nächstes Wochenende habe ich eigentlich frei. Zusätzlich habe ich mir einen Tag Urlaub genommen. Ich könnte die Zeit nutzen, um endlich mein Studium nachzuholen. Aber ich muss mit Noel sprechen. Ich muss ihm in die Augen sehen. Es sind noch keine drei Wochen vergangen, dass ich dort war, doch es ist so viel seitdem passiert, dass ich erneut mir selbst nicht traue. Ist es noch echt? Ich weiß, was ich in den vier Tagen empfunden habe. Ich weiß, dass sie sich wie ein einziger Traum angefühlt haben und es einfach perfekt war. Aber will ich ihn noch immer so oder haben die Gespräche alles verändert? Es nagt an mir, dass es vielleicht nur noch Täuschung meines Kopfes sein könnte. Doch noch immer kommen mir die Tränen und zieht sich mein Herz zusammen, wenn ich zulasse wirklich an ihn zu denken. Wenn ich zulasse ihn wirklich vor mir zu sehen. Wie könnte es nicht mehr echt sein?
Er ist ehrlich zu mir. Er war immer ehrlich zu mir. Mag er mir auch Dinge von sich aus nicht erzählen, frage ich ihn danach, so ist er ehrlich. Es sind Antworten, die ich erwartet habe und die mich dennoch niederwerfen.
Ich weiß, dass er mit mir zusammen sein will. Dessen bin ich mir sicher. Doch er hat Angst vor den Konsequenzen dieser Entscheidung. Er hat Angst sich zu entscheiden, weil er damit sie verletzen würde. Und niemand weiß, wie es mit uns ausginge. Ob es überhaupt funktionieren würde. Er will mit mir zusammen sein, aber er lässt nicht zu, daran zu glauben, dass es wirklich funktionieren könnte. Vielleicht, weil es bedeuten würde, dass er sich entscheiden müsste. Und das kann er einfach nicht. Tief in sich drin hofft er darauf, dass sie ihm das abnimmt. Dass sie erkennt, dass sie einander nicht mehr die glückliche Zukunft miteinander bieten können, die sie einmal hatten. Dass sie von sich aus geht. Und, weil es ihre Entscheidung war, weniger Schmerz dabei empfindet. Doch solange das nicht passiert, ist er heute davon überzeugt, dass er wieder zurückgehen wird. Er würde es nie sagen. Er würde es sich vermutlich auch nicht selbst eingestehen. Doch er hat kein Vertrauen in sich. Er glaubt nicht daran, dass er fähig ist sich zu entscheiden. Für Herz oder Kopf zu entscheiden, wie er glaubt. Er ist der Ansicht, er könne zurückgehen ohne sich entscheiden zu müssen. Er verschließt die Augen davor, wie falsch dieser Gedanke ist. Denn geht er zurück, dann kommt es einer Entscheidung gleich. Mag er es emotional nicht so erleben, wird sie doch davon ausgehen. Und ihr Schmerz wird ungleich größer sein, wenn ihr klar wird, das alles eine Lüge war.
Er will mit mir zusammen sein. Aber er hat Angst, diesen Gedanken wirklich zuzulassen. Er hat Angst, der Hoffnung, wir könnten ein Leben miteinander haben, Raum zu geben. Er hat Angst davor zu hoffen und enttäuscht zu werden. Vielleicht ist auch dies die eigentliche Furcht. Geht er zurück, so weiß er, was ihn erwartet. Es gibt keinen Schmerz, den er nicht kennt. Lässt er sie zurück und geht vielleicht sogar mit mir weiter, dann ist dort nichts als das große Unbekannte. Es kann schrecklich werden. Oder großartig. Aber eben auch schrecklich und schlimmer als das, was er kennt. Vielleicht ist es auch das.

Nunja, so ist die Situation. Das alles zehrt an mir. Ich telefoniere so gerne mit ihm. Ich liebe es, seine Stimme zu hören und sein Lachen. Ich liebe es, wie selbstverständlich er mitunter von mir spricht und wie er sagt, dass ich so tief drin stecke in seinem Kopf. Wir sprechen stundenlang. Doch wenn wir auflegen, dann ist da immer diese Traurigkeit in mir. Dann brauche ich immer noch einmal ein oder zwei Stunden, um das Gespräch zu verarbeiten, bevor ich zu Bett gehen kann. Es ist Zeit, die mir fehlt. Zeit, die mir Schlaf raubt. Die Gedanken und Gefühle, die nach jedem Telefonat in mir kreisen, rauben mir den Schlaf. Das widerum wirkt sich auf alle anderen Bereiche meines Lebens aus.
Wenn doch diese Traurigkeit nicht wäre. Es könnte doch so schön sein. Es weiß doch jeder, was er dem anderen bedeutet. Doch er kann es nicht zulassen. Nicht für sich und auch nicht für mich. Er will mich nicht verlieren. Aber er will auch nicht, dass ich Hoffnung habe. Hoffnung, die er unter Umständen enttäuschen wird. Doch wenn es keine Hoffnung gibt, was soll das dann alles? Wofür dann überhaupt noch weiter machen? Wenn es doch überhaupt keine Hoffnung für uns gibt, dann können wir auch genau jetzt aufhören. Meinem Leben bekäme es sicherlich gut. Aber es ist nicht, was ich will. Dies zumindest hat sich noch immer nicht geändert. Ich will noch immer alles.
Ich baue darauf, dass ich nur vor ihm stehen muss, um es ihm klarzumachen. Falls das nächste Wochenende nicht stattfinden kann, weiß ich nicht, wie weitergehen soll.
3.10.20 22:13


Für den Moment sind sie getrennt. Doch ist er deswegen frei?
Für den Moment sind sie getrennt. Doch Hoffnung haben wir beide noch immer nicht auf einander.
Nächste Woche fahr ich zu ihm.
Ich sollte glücklich sein, doch dafür fehlt noch immer etwas. Es geht mir noch immer nicht gut. Noch immer komme ich nicht in den Schlaf, obwohl ich mich auf der Arbeit kaum konzentrieren kann. Noch immer wurden die wesentlichen Worte kaum ausgesprochen.

Wünscht mir viel Erfolg morgen früh. Mein Gefühl sagt mir, mein erster Patient wird es nicht überleben. Ein Toast auf einen super Tag...
1.10.20 00:37


Es klingt beinahe so, als hätten sie sich tatsächlich getrennt. Oder als stünde zumindest nicht mehr viel dazwischen. Ich weiß es nicht. Ich kann es nur mutmaßen aus den wenigen Informationen, die ich habe. Verständlicherweise hat er andere Gedanken, als direkt zu mir gerannt zu kommen.
Mir wird so langsam klar, warum ich mir nie wirklich vorstellen konnte, dass es bei ihnen endet. Oder vorstellen wollte. Wie auch immer gerade der Stand der Dinge zwischen ihnen ist, er leidet. Es geht ihm schlecht und es gibt nichts, das ich dagegen tun kann. Wie hätte ich mir das wirklich vorstellen wollen? Wie hätte ich ihm das wirklich wünschen sollen? Nein, ich wollte doch immer, dass sie es irgendwie wieder hinbekommen. Dass sie ihre Probleme aus der Welt räumen können. Damit er glücklich wird. Und ich die einzige bin, die leidet.
Jetzt scheint es zu kommen wie prophezeit. Jetzt gerade leiden alle drei. Die beiden aus erster Hand und ich, weil es mir so weh tut seinen Schmerz zu sehen. Sie hatten ein Leben zusammen. Sie hatten eine Zukunft zusammen. Ihre Zukunft ist schon ins Wanken geraten lange bevor ich dazugestoßen bin. Doch nichtsdestotrotz, eine Zukunft zu verlieren tut weh. Egal wie sicher man sich ist. Es tut immer weh.
Es geht ihm nicht gut. Und ich wünschte, ich könnte etwas für ihn tun. Doch das kann ich nicht. Wegen allem, was gewesen ist, kann ich ihm doch noch nicht einmal eine einfache Freundin sein. Weil er sich direkt wie ein Verräter fühlen wird. Am Ende haben wir jetzt vielleicht alle verloren.
Alles, was ich tun kann, ist ihm Zeit zu geben. Mich zurück zu halten. Mich raus zu halten. Ihm Raum zu geben. Mich nicht mehr zu melden. Es macht es mir wirklich schwer, nicht in dieses schreckliche Loch vom Wochenende zurück zu fallen.
28.9.20 23:06


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